Erstmals seit 30 Jahren wieder Ausbrüche der Newcastle-Disease (ND)

Liebe Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmer,

in Deutschland gibt es seit langer Zeit wieder Ausbrüche der Newcastle-Disease (ND). Die bislang nachgewiesenen ND-Viren gehören zum Genotyp VII.1.1. Dieser Genotyp zirkuliert derzeit insbesondere in osteuropäischen Ländern. Betroffen sind in Deutschland sowohl große Hühner-, Puten- und Masthühnerbestände ebenso wie Kleinsthaltungen in Brandenburg und Bayern. Das Fli empfiehlt dringend die vorgeschriebenen Impfungen gegen die Newcastle-Krankheit in allen Hühner- und Putenbeständen zu überprüfen und gegebenenfalls aufzufrischen. Insbesondere wird vermutet, dass ein Teil der bislang eingesetzten, zum Teil sehr alten ND-Impfstoffe bei diesem Subtyp keine ausreichende Schutzwirkung entfaltet. Dies deckt sich mit internationalen Erfahrungen zu genetisch deutlich veränderten ND-Viruslinien, bei denen zwar eine Grundimmunität bestehen kann, die Infektion und Weiterverbreitung jedoch nicht zuverlässig verhindert wird.

Die gesamte Seuchensituation in Geflügelbetrieben wird wegen des gleichzeitigem Auftretens der aviären Influenza und der Newcastel Disease vom Friedrich-Löffler-Institut (FLI) wie folgt eingeschätzt:

Zitat FLI: „In Verbindung mit der weiterhin in Deutschland auftretenden hochpathogenen aviären Influenza des Subtyps H5 („klassische Geflügelpest“) besteht aktuell eine erhebliche Gefährdungslage für Geflügelhaltungen.“

Deshalb ist es dringend erforderlich, dass wir alle gemeinsam Ihre Geflügelbestände bestmöglich schützen! Aus diesem Grund bitten wir alle Geflügelhalter unverzüglich ihre bestehenden Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und gegebenenfalls weitere zu ergreifen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Nur gewaschene und desinfizierte Eierhorden der Packstelle zu nutzen;
  • Nur gewaschene und desinfizierte Transportboxen verwenden;
  • Betretungsverbot des Eierlagers von LKW Fahrern bei der Abholung der Eier;
  • Desinfektion fremder Hubwagen, bzw. Desinfektion des Eierlagers nach Abholung der Eier;
  • Betretungsverbot von LKW-Fahrern bei Einstallung der Küken und/oder Junghennen;

Außerdem gelten grundsätzlich und weiterhin u.a. folgende Biosicherheitsmaßnahmen:

  • Strikte Einhaltung der bisherigen Biosicherheitsmaßnahmen und ggf. Ergänzung durch weitere Biosicherheitsmaßnahmen, wie z.B.:
    • Klare Strukturierung der Hygieneschleusen in Schwarz-Grau-Weiß-Bereiche.
    • Austausch von Desinfektionsmatten gegen Desinfektionswannen.
    • Grundsätzlicher Schuhwechsel (als optimal hat sich das sogenannte 3-Schuh-System bewährt).
    • Grundsätzlicher Kleidungswechsel, (auf räumliche Trennung zur Aufbewahrung der Straßenkleidung von der Stallkleidung achten).
    • Reduzierung des Personenverkehrs und Einduschen für betriebsfremde Personen wie z.B. Handwerker , Tierärzte, etc.
    • Hände waschen und desinfizieren, bevor der Tierbereich betreten wird;
    • Eimer, o.ä. Behältnisse zum Sammeln der Kadaver im Stall dürfen das Stallgebäude nicht verlassen und sind nach jeder Verbringung der Kadaver über die Kadaverauswurfklappe o.ä. zu reinigen und zu desinfizieren.
    • Kadaverabholung möglichst weit entfernt vom Stall organisieren.
    • Gemeinsam mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt den Impfstatus überprüfen und ggf. das Impfregime und den Impfstoffan an die veränderte Risikosituation anpassen.
    • Schadnagerbekämpfung fachgerecht durchführen und ggf. intensivieren.
    • Keine Holzpaletten (z.B. mit Einstreu) in den Tierbereich verbringen
    • Reifendesinfektion aller Fahrzeuge vor dem Einfahren in den Stall bei Puten zum regelmäßigen Ein- und Nachstreuen, aber auch in der Serviceperiode bei Masthähnchen und Legehennen zum Einstreuen.
  • Frühe Diagnostik im Verdachtsfall

Die allgemeine Wachsamkeit bleibt laut dem FLI ein zentraler Pfeiler des Schutzes: Auch in Newcastle-geimpften Beständen sollte bei unklaren Todesfällen oder plötzlichen Leistungseinbrüchen neben der Laboruntersuchung auf Geflügelpestviren die Untersuchung auf das Virus der Newcastle-Krankheit veranlasst werden. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um mögliche Ausbrüche schnell zu erkennen und wirksam einzudämmen.

Weiterführende Informationen zum ND Risiko: https://www.fli.de

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